Kompliment HSV. Jetzt nach Brähmen, denn man tau!

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Während der Kaiser aus dem Licht, jetzt Fussballherbstfakten ausspricht, wird im Norden laut gefeiert, weil der Dino nicht mehr eiert.

Holtby auf Ilicefix. Ich denke, nee da war wohl nix. Zweikampf – legal or illegal? PML ist das egal. 1:0. Brachial. Super-Pierre kann das nunmal. Mach’s an der Weser noch einmal!

Nächste Szene, weiter geht’s. Brunos‘ Team bewegt sich stets. Wie ein Bär im tiefsten Winter, pennt dann plötzlich Matthes Ginter. Müller, Holtby nackt wie’n Mull. Abschluss. Tor. 2:0. 

Ecke. Holtby. Klingeling. Hummels köpft das Lederding, aus dem Gewühl, mit viel mit Gefühl, in’s  eigene Tor. Passiert den besten. Pech Galore. 3:0. 

Derbysieg hin und her. Dortmund spielt wie Flasche leer. Im Volkspark ist’s halt immer schwer. Alles wie immer, hinterher. Verdienter Sieg, sogar sehr.

Mal eben Dortmund überfahr’n. Stark gekämpft, gespielt mit Plan. Zwar zieht das Gegentor, des Hobels Span, dem Torwart doch noch einen Zahn. Egal, vergessen, abgetan. Rene Adler – ein Titan. 

Wenn ihr jetzt noch das Derby schafft, dann wär das wirklich heldenhaft! Die Harmonie in Hamburgs Hafen, lässt Viktor Skripnik schon schlecht schlafen.

NUR DER HSV!

wUNDER gIBT eS nICHT, oDER vIELLEICHT dOCH?

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wildparkstadion 01.06.2015 by Oliver Schüssler


Ich erinnere mich nicht mehr ganz genau. Es muß so zwei bis drei Tage vor dem ersten von zwei Relegationsspielen zwischen dem HSV (meinem HSV!) und dem Karlsruher SC gewesen sein, als sich mir die Möglichkeit eröffnete ein Ticket für das Rückspiel in Karlsruhe zu bekommen. Den Gedanken mit der Mannschaft und etlichen tausend mitgereisten HSV’ern den von mir natürlich sicher geglaubten Klassenerhalt feiern zu können, fand ich in meiner Euphorie überhaupt noch im Rennen zu sein fantastisch. Zusätzlich reizte mich als Fußball-Romantiker (Sind wir das nicht alle?) eine Reise ins Wildparkstadion, dessen Besuch mir bis dato verwehrt geblieben war.

Vorerst machte ich mir keine Gedanken.
Es war sowieso noch nichts entschieden. Wir waren zu viert. Zwei Tickets für vier HSV Fans sind zwei zu wenig. Am Ende ergab es sich (leider!) aus persönlichen Gründen das aus vier Leuten zwei wurden.
@rauheSee & @TooorEck mussten leider passen. Neben @mrscgn blieb also nur noch ich übrig. Nun ja, dachte ich in meiner Euphorie etwas gebremst. Hatte das Team doch mittlerweile im Hinspiel mit einem typischen “Grottenkick” wie man zur Zeit gerne sagt, wenn man über den HSV redet alles andere als überzeugt. Ein glückliches 1:1 war einfach zu wenig gewesen.

Dann war er da, der Montag. Der Montag, an dem die Reise ins Ungewisse starten sollte.
Mit dem Zug geht es aus meiner Heimatstadt Krefeld nach Köln. Ich werde herzlich von der wartenden @mrscgn empfangen und wir beide machen uns mit dem Wagen auf den Weg ins etwas mehr als 300 km entfernte Karlsruhe. Natürlich sprechen wir im Auto viel über den HSV und über das was dem Verein in den letzten Jahren ein so negatives Image beschert hat. Über das bevorstehende Spiel, die finale Entscheidung um den Verbleib in der Liga, unsere Herzensangelegenheit, sprechen wir kaum. Zumindest bis Karlsruhe. Vielleicht ein unbewusstes wegschieben? Noch ein bisschen “Dino” sein vielleicht, bevor der entscheidende Moment kommen soll!? Wir kommen gut vorwärts. Ungefähr drei Stunden vergehen und wir sind da. Karlsruhe. Immer mehr drängt sich mir der Gedanke auf, das ich heute etwas zu sehen bekommen könnte was ich vermutlich für den Rest meines Lebens nicht vergessen werde. Nach kurzer mehr oder weniger erfolgreichen Parkplatzsuche, mehr der Entfernung wegen, weniger wegen des mitten im Wald gelegenen und von Pfützen und Matsch umringten Parkplatzes geht
es zu Fuß weiter. An der Hauptstraße angekommen reihen wir uns in den Strom der natürlich überwiegend badischen Fans ein. Bis zum Gästebereich ist es vielleicht ein Fußweg von 10 Minuten.

HSV Fans von überall her tummeln sich auf einem Bus-Parkplatz vor dem Eingang. Trinken. Lachen. Singen. Aus einem Auto mit geöffneten Kofferraum schallt Musik. Ich sehe mich um, sehe mir das Stadion genauer an. Die Flutlichtmasten ragen hoch in den Himmel. Grauer Beton bestimmt das Panorama. Wie erwartet versprüht es den Charme längst vergangener Tage. Das Wunder vom Wildpark liegt in der Luft. Valencia. Euro-Eddy. 7:0. Der Umstand der mich hierher brachte wird wohl kein Wunder nach sich ziehen denke ich. Oder vielleicht doch? Das alles lässt das ganze in einer merkwürdigen Aura erscheinen.

“Niemals zweite Liga! Niemals! Niemals, niemals!” schallt es über den Platz.“

Da liegt er nun vor uns, der Ort der die Entscheidung bringen soll. Hier entscheidet das Schicksal also über unsere Herzensangelegenheit. Beim Einlass empfangen mich freundliche Ordner die mich nicht mehr durchsuchen als ich es von woanders her kenne. Allerdings kann ich da nur für mich reden. Die Tatsache das auch Sprengstoffhunde anwesend sind die nach Pyro suchen sollen spricht dafür das es anderen vielleicht anders ergeht.

Die Toilettenhäuschen ersticken mit ihrem Ekel für kurze Zeit jeglichen Charme. Nach anschließendem Genuss eines alkoholfreien Tannenzäpfles’ beschließen wir unseren Block aufzusuchen. Dort angekommen erkenne ich warum unsere Sitzer nur 15 € gekostet haben. So wie es aussieht hat man aus einem Stehplatzblock einen Sitzplatzblock gemacht indem einfach ein paar Sitzschalenreihen einbetoniert wurden. Allerdings muss dies auch schon etwas länger her sein. Die Sitzschalen sind einfach nur alt und brüchig. Wir suchen unsere Plätze. Reihe drei. Platz 35. Die Plätze befinden sich soweit unten das man vor lauter Zaunfahnen nichts vom Spielfeld sehen kann. Was nun? Rechts neben uns befindet sich der mit HSV Fans gut gefüllte Stehplatzblock. In unserem Block wird einfach von irgendwem die Platznummerierung aufgehoben. “Es gibt freie Platzwahl, jeder steht da wo er möchte!” Heißt es aus der Menge. Keiner protestiert. Wieso auch? Der Block wird kurzerhand in einen Stehplatzblock umgewandelt. Damit, das jemand während des Spiels lange sitzt rechne ich sowieso nicht.

Der Einlauf der Spieler. Blauer Rauch, Pyro aus dem Block neben uns. Anspannung. Stiche im Magen. Die KSC Fans mit einer ordentlichen Choreo. Wahnsinnsstimmung. Jetzt wird es also ernst. Ab der Sekunde des Anpfiffs fühle ich mich wie in einem Film. Das Spiel der Mannschaft beginnt recht ordentlich und ich werde wieder etwas ruhiger. Der KSC beschränkt sich darauf gut zu stehen. Nichts zuzulassen. Die Stimmung auf beiden Seiten ist hervorragend. Von gegenüber blendet die Abendsonne. Wir spielen uns ein paar gute Gelegenheiten heraus. Von so etwas wie “Todesangst” ist nichts zu spüren.

“Niemals zweite Liga! Niemals! Niemals, niemals!” schallt es durch die Gästekurve!“

Eine Kopfballmöglichkeit von Lasogga. Halbzeit. Nichts ist passiert. 0:0. Es verbleiben noch 45 Minuten plus Nachspielzeit um den Abstieg abzuwenden. Ich schiebe den Gedanken weg. Weit weg. Es sind noch ganze 45 Minuten. Zeit satt und kein Grund nervös zu werden. Schon gar nicht panisch. Und außerdem ist es ja auch nur Fußball. Ich rauche zwei Zigaretten.

Es geht weiter! Die letzte Halbzeit als Bundesligist? Diese Frage stellt sich insgeheim wohl jeder. Nicht nur hier. Vermutlich sitzt in diesem Moment die halbe Republik händereibend vor’m Fernseher um dem “Dino beim Sterben zuzusehen”!
Zweite Halbzeit. Es geht weiter. Wieder Lasogga. Nichts. 0:0. Karlsruhes Gulde köpft aufs Tor, Boban klärt auf der Linie. Kurz vor Herzstillstand. Dann das Tor. Wie zu Salzsäulen erstarrt stehen wir da. Jetzt ist es passiert. Der eingewechselte Yabo bringt die Karlsruher mit 1:0 in Front. War ja klar das es so kommt. Was habe ich mir auch gedacht? Dann der Gedanke das wir sowieso ein Tor schießen müssen. Der Klassiker! Mein Gefühl sagt mir das die Mannschaft sich davon nicht
mehr erholen wird. Nicht jetzt. Nicht hier. Schon gar nicht zwölf Minuten vor dem Ende. Auch wenn wir zuletzt oft zurückgekommen sind. Auch Glück werden wir nicht mehr haben denke ich. Das ist aufgebraucht.
Zu den Ordnern vor den Gästeblocken gesellen sich nun massenhaft Polizisten in Kampfmontur. Beim Abstieg des HSV rechnen sie vermutlich mit dem Schlimmsten. Die Mannschaft jedenfalls straft mich lügen und versucht jetzt alles. Beste Chancen durch Lasogga und Diekmeier werden nicht genutzt.
Abermals Lasogga köpft den Ball an den Pfosten. Dem Ding werden wir noch lange hinterher trauern sage ich. Von der Gegengerade schräg gegenüber schreien Karlsruher “Absteiger, Absteiger” in unsere Richtung. In dem Moment hoffe ich das sich das rächen wird. Ich muß sitzen, meine Füße machen nicht mehr mit. Zwei Minuten später pfeift der Schiri zum Freistoß. Es läuft bereits die 91. Minute. Die erste von vier Minuten Nachspielzeit. Ein letzter Schuss! Der letzte Schuss der Saison. Der soll, nein muß es einfach richten! Ich stehe wieder und sehe van der Vaart und Díaz in Position. Bis wir später im Auto sitzen werde ich denken das es van der Vaart war der den Freistoß aus 20 m über die Mauer zirkelt. Ich sehe wie der Ball am Torwart vorbei ins Netz fliegt . In dem Moment wo ich das realisiere dreht sich mir der Magen um. Ein paar Sekunden später drücke ich jeden um mich herum. Meine Mitfahrerin und Leidensgenossin @mrscgn drücke ich vor lauter Freude so fest als würde ich sie nie mehr loslassen wollen. Gefühlt umarme ich jeden der 4000 Anhänger. Diesen Jubel werde ich für den Rest meines Lebens nicht vergessen! Das Ding ist wirklich drin. Unfassbar. Holtby, vorher ausgewechselt und ein paar andere Ersatzspieler kommen zum Block gelaufen um uns nochmal richtig einzuheizen. Der Hamburger Anhang
 steht Kopf, inklusive mir. Im Fernsehen wird man später sagen der Fußballgott sei eine Rothose. Es steht 1:1. Die “Absteiger-Rufer” sind verstummt. Alle Heimfans sind verstummt. Wir dagegen rasten aus.


“Niemals zweite Liga! Niemals! Niemals, niemals!” schallt es dieses Mal durch’s ganze Stadion.“


Wahnsinn. Die Mannschaft hat es tatsächlich geschafft sich in die Verlängerung zu retten. Die Fernsehzuschauer müssen für die Beerdigung des Dinos noch etwas Zeit hinten dranhängen. Mein Zeitgefühl kommt mir völlig abhanden. Ich traue dem Braten noch nicht. Schießen die Karlsruher jetzt ein Tor ist trotzdem alles vorbei. Nichts ist entschieden. Rein gar nichts. Es sind jetzt ungefähr hundert Minuten gespielt als ein Karlsruher knapp am rechten Pfosten vorbeischießt. Atemnot. Freistoß KSC. Drüber. Nicht auszuhalten. Wieder Lasogga. Nichts. Viele fragen sich jetzt wie man wohl ein Elfmeterschießen aushalten würde. Ein Elfmeterschießen um Auf- und Abstieg. Und dann müllert es. Erlösung. In dem Moment wo er den Ball über die Linie drückt ist mir sofort klar, wir haben’s. Völlige Ekstase. Überall um uns herum. Wie im Traum! Wir haben’s! Das schreie ich meiner Begleitung ungefähr vier mal ins Ohr während ich sie schon wieder fast erdrücke. Wir haben’s. Es sind jetzt noch 5 Minuten zu spielen und ich bin mir sicher das der KSC es nicht mehr schaffen wird zwei Tore zu schießen. Wir haben’s. Alle mitgereisten HSV’er sind jetzt wie im Rausch. Viele von ihnen dringen jetzt durch ein geöffnetes Tor in den
Innenraum. Die Polizei reagiert zum Glück nicht. Es drängen immer mehr hinterher. Sie feiern. Wir feiern. Es gibt noch einen Strafstoß für den KSC. Das Adler den pariert bekommen wir fast nur noch nebenbei mit. In diesem Moment sind wir die glücklichsten Menschen der Fußballwelt. Was für ein Krimi! Erst fünf Stunden später, zuhause, werde ich verstehen was da heute passiert ist. Diesen Tag werde ich wohl wirklich nie wieder vergessen. Im Blogpost der wunderbaren @mrscgn könnt ihr nachlesen wie sie dieses denkwürdige Spiel erlebt hat.

“Niemals zweite Liga! Niemals! Niemals, niemals!”

Ich hoffe sehr das ich nie wieder so nah vom Rande des Abstieges berichten muß. Wenn dieses Erlebnis es tatsächlich geschafft hat mich dauerhaft zum bloggen zu bringen hat es ja sogar zusätzlich etwas positives gebracht.

LG @cosmo™